Tivoli Kopenhagen als Blinder alleine besuchen: Das war der Auftakt der Testreihe

Tivoli Kopenhagen bei Nacht
Bildquelle: Tivoli Kopenhagen

Seit über einem Jahr gehen der blinde Journalist Christian Ohrens und Parkerlebnis der Frage nach, ob Blinde einen Freizeitpark alleine besuchen und alle Attraktionen nutzen können – und vor allem dürfen. Tivoli Kopenhagen war der Auftakt der Testreihe. Den Erfahrungsbericht lest ihr hier.

Kann man als Blinder einen Freizeitpark uneingeschränkt, auch ohne sehende Begleitung nutzen? Ausschlaggebend für diese Frage und die gemeinsam mit Parkerlebnis initiierten Testreihe war mein Besuch im Tivoli Kopenhagen im April 2014. Den Bericht zu diesem sehr positiven Besuch hatte ich bereits im Rahmen meines Skandinavien-Reiseberichts veröffentlicht, hier nun für unsere Testreihe jedoch noch mal der reine Testreport – wie die Freizeitpark-Tests als Blinder begannen.

Siehe auch: Warum Christian Ohrens Freizeitparks als Blinder testet – Interview

Tivoli Gardens als Blinder – Der Test

Im Rahmen meiner zehntägigen Skandinavienreise und als Höhepunkt meines Kopenhagen-Besuchs, besuchte ich an einem Samstag Ende April 2014 den Tivoli Gardens. Vorab hatte ich bereits erfragt, ob es mir, als blinder Besucher ohne sehende Begleitung möglich sei, den Park zu besuchen und, vor allem, auch die Attraktionen zu nutzen; beides wurde vom Gästeservice per Mail bejaht.
Am Eingang angelangt, reihte ich mich in die noch recht kurze Schlange ein und traf hier auf Gosia und Christoph, einem Schweizer Pärchen, das mit ihren Kindern ebenfalls das Tivoli besuchen wollte. Da sie jedoch um 14:00 Uhr wieder weiterfliegen würden, blieb ihnen nur ein kurzer Abstecher in den Park, welcher nicht nur wegen seiner Attraktionen, sondern auch wegen der Gartenanlagen bekannt ist.

An der Kasse löste ich ein Ticket, das es mir ermöglichte, alle Fahrgeschäfte so oft zu nutzen, wie ich wollte. Der „normale“ Eintrittspreis beinhaltete nämlich nur den Parkeintritt, für die Fahrattraktionen hätte man sonst extra Tickets beim jeweiligen Fahrgeschäft lösen müssen.

Die vier Schweizer begleiteten mich in den Park hinein und die zwei Kinder, zwei drei- und fünfjährige Jungs, stürzten sich sogleich förmlich auf den Spielplatz, den wir nach einigen Metern fanden. Christoph wollte mich, während seine Frau auf die Kinder aufpasste, zum ersten Fahrgeschäft begleiten, einer großen Loopingachterbahn (Dæmonen). Er selber fand sie jedoch auch sehr reizvoll, weshalb er sich entschloss, eine Runde mitzufahren. Die rasante Fahrt war Nervenkitzel pur, aber leider schneller vorbei als erhofft.
Neben dem Daemon befand sich ein weiteres Überschlag-Fahrgeschäft (Vertigo). Eine Art Flugzeug, welches sich in geschätzt 25m Höhe bewegte. Dieses Karussell erinnerte mich von seiner Fahrweise ein wenig an das auf deutschen Jahrmärkten vorzufindende Fahrgeschäft „Airwolf“.

Nach dieser Fahrt verabschiedete sich Christoph. Er wollte zurück zu seiner Familie, denn schließlich müssten sie auch bald schon wieder zum Flughafen zurück – es war bereits nach 12:15 Uhr.
Und so erkundete ich von da an auf eigene Faust den Park. Neben den eben genannten Fahrgeschäften gab es noch einen Freefall-Tower (Det gyldne Tarn) mit 63m Höhe und einer Fallhöhe von 47m , ein weiteres Überschlag-Fahrgeschäft (Aquila, Typ Air Race), eine Art Miene (Water Dark Ride), eine 100 Jahre alte Holzachterbahn, eine weitere kleine Achterbahn ohne Looping, einen fliegenden Teppich (Monsunen) und eine Art Krake (Nautilus), die es von Art und Geschwindigkeit der Fahrt jedoch nicht mit unseren Kirmeskraken aufnehmen konnte. Wo sich bei uns die Arme der Krake samt der Gondeln bewegen, gondelte die Tivoli-Krake einfach nur im Kreis um eine Fontäne herum… Dazu kamen noch einige kleinere Fahrgeschäfte für Kinder sowie ein Breakdance und eine Wildwasserbahn, die derzeit leider außer Betrieb war. Die vielen Restaurants und Imbiss-Buden, Souvenirshops und eine Bühne, auf der ab dem Nachmittag auch Livemusik geboten wurde, nicht zu vergessen.

Und das sollte also der älteste Freizeitpark der Welt sein? Ich muss gestehen, dass ich mir bezüglich der Fahrattraktionen mehr erhofft hatte! Aber den Charme des Parks machen nicht nur die Fahrgeschäfte, sondern vor allem die vielen kleinen Gärten aus verschiedenen Nationen mit ihren kleinen Springbrunnen aus.

Ich verbrachte insgesamt um die sieben Stunden im Tivoli. Die Fahrten habe ich nicht alle gezählt, müssten aber insgesamt (aufgerundet) um die 20 Karussell- und Achterbahn-Fahrten gewesen sein. Ich pendelte also sozusagen zwischen den einzelnen Stationen hin und her, wobei ich bei einigen Attraktionen auch die Möglichkeit hatte, zweimal direkt hintereinander zu fahren, ohne mich dafür extra anstellen zu müssen.

Generell überraschte mich positiv die Hilfsbereitschaft des Parkpersonals. Außer zweimal hatte ich keine Probleme, alleine, ohne Begleitung, in die Fahrgeschäfte und am Ende wieder hinaus zu gelangen. Zwei Mal stellte sich jemand von der Aufsicht quer, wollte mich nicht – natürlich aus Sicherheitsgründen! – alleine fahren lassen. Beide Male halfen jedoch bereitwillig andere Fahrgäste aus und nahmen mich kurzerhand mit und damit war das Thema für die jeweilige Aufsicht auch schon gegessen.

Der Besuch im Tivoli war für mich wieder eine neue Erfahrung im Punkto Alleingänge gewesen. Eine Orientierung im Park war, so lange man nicht vom Hauptweg in die Grünanlagen abwich, durchaus möglich, die laute Musik von der Bühne machten dem aber ein wenig einen Strich durch die Rechnung. Jedoch war dies – für mich – nur halb so schlimm, denn es waren genug Besucher vor Ort, die ich um Hilfe bitten konnte. Ich hatte definitiv meinen Spaß, egal, ob ich nun alleine unterwegs war oder nicht.

Theoretisch hätte ich die Möglichkeit gehabt, bis 24:00 Uhr alle Fahrgeschäfte zu nutzen. Nach siebenstündigem Aufenthalt, 8 Loopingbahnfahrten, 4x Freefall-Tower, 4x Überschlagfahrgeschäfte, 2x fliegender Teppich und den Rest eher harmlosere Sachen, knurrte auch irgendwann mein Magen. Zwar hatte ich zwischendurch immer mal wieder eine Kleinigkeit gegessen, aber ich wollte mir aufgrund der vielen Fahrerei auch nicht den Bauch so voll schlagen.

Und so schloss ich mit einer letzten Loopingbahn-Fahrt gegen 19:00 Uhr meinen Tivoli-Besuch ab und fragte mich zum Ausgang durch.

Fazit: Testauftakt!

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland fragte ich mich, ob es nicht auch in Deutschen Freizeitparks möglich sei, sich als Blinder frei und uneingeschränkt im Park zu bewegen und alle Attraktionen zu nutzen? Und so sendete ich zahlreiche Anfragen an verschiedenste Parks, um dieser Frage, zunächst theoretisch, auf dem Grund zu gehen. Der Besuch im Tivoli Gardens war somit ausschlaggebend für die derzeit laufenden Freizeitparktests als Blinder gewesen… und wir sind noch nicht am Ende.

Bisherige Testberichte in der Übersicht:

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Tivoli Kopenhagen

Foto: Tivoli Kopenhagen

Der Freizeitpark Tivoli Kopenhagen befindet sich mitten in der dänischen Hauptstadt. Der zweitälteste Vergnügungspark der Welt setzt auf eine bunte Mischung aus Attraktionen und einem vielfältigen Kulturprogramm. » Infos

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