Zoo Karlsruhe erreicht erste Etappe auf dem Weg zum klimaneutralen Zoo

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Zoo Karlsruhe - Photovoltaik 2016
Bildquelle: Zoo Karlsruhe

Klimaneutraler Zoo Karlsruhe: Erste Zwischenetappe erreicht. Das Maßnahmenpaket 1 zusammen mit KEK seit 2014 ist weitgehend umgesetzt. Allein Photovoltaik erzeugt jährlich rund 70.000 Kilowattstunden Strom.

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2014 ist der Zoo angetreten, die Energie- und Kohlendioxid-Emissionen um 20 Prozent im Vergleich zum vorherigen Verbrauch zu senken – und biegt nach rund zwei Jahren in die Zielgerade ein. „Allein unsere 2014 installierten Photovoltaikanlagen auf dem Wirtschaftshof und Giraffenhaus und seit November 2015 auf dem Dickhäuterhaus erzeugen jährlich rund 70.000 Kilowattstunden Strom und damit rund 13 Prozent des Strombedarfs“, informiert Claus Schönfeld, im Zoo für Bau und Technik zuständig. Was gerade an Strom produziert wird, zeigen die beiden Visualisierungsanlagen am Elefanten- und Giraffenhaus: 18.240 Watt werden gerade produziert, stand am Elefantenhaus etwa am Dienstag (12. April) zu lesen – und seit Inbetriebnahme der Anlage wurden 2.583 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) eingespart.

Hinzu kommen die Einspareffekte durch neue Heizpumpen oder auch LED-Technik für die komplette Beleuchtung. „Unterm Strich dürften wir in diesem Jahr die 20-Prozent-Marke erreichen“, ist sich Schönfeld mit Monika Wilkens einig. Sie ist Projektleiterin und versierte Fachfrau beim Kooperationspartner Karlsruher Energie- und Klimaschutz Agentur (KEK). In enger Zusammenarbeit mit der KEK setzt der Zoo sein zukunftsweisendes Energiemanagement um. „Wie die Maßnahmen auf der Energierechnung sichtbar wurden, wollen wir in der nächsten Zeit überprüfen“, kündigte Monika Wilkens einen Abgleich mit der Datengrundlage an. Zu Beginn des Projekts „grüner Zoo“ lag der Stromverbrauch bei 616 Megawattstunden pro Jahr (MWh/a), der Wärmebedarf bei 1.700 MWh/a, die Energiekosten beliefen sich auf rund 250.000 Euro – Tendenz steigend.

Zweites Maßnahmenpaket in der Umsetzung

350.000 Euro aus dem Karlsruher Klimaschutzfond standen für das erste Maßnahmenpaket bereit – um rund 85 Tonnen Kohlendioxid sollten damit Umwelt und Klima pro Jahr entlastet werden. Dabei ruht sich der Zoo auf dem Erreichten nicht aus. Der Zoo möchte komplett klimaneutral werden! Daher ist er aktuell dabei, erste Projekte aus dem zweiten, rund 365.000 Euro schweren „Energieeinspar-Paket“ umzusetzen – und hat bereits ein drittes Maßnahmenpaket geschnürt. „Uns ist klar, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, nach rund zwei Jahren haben wir aber eine wichtige Zwischenetappe erreicht: Unsere Vision ist, zu einem klimaneutralen Zoo zu werden“, gibt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt die Marschrichtung vor. Das soll bis 2050 erreicht sein – und am besten noch vorher. „Dabei setzen wir auf den konsequenten Austausch energiefressender Geräte und Einsatz erneuerbarer Energien, aber auch auf Kompensationsprojekte“, fügt er an.

Wiederaufforstungsprojekt passt gut zum Zoo

Denn durch Technik alleine könne vollständige Klimaneutralität nicht erreicht werden. Ein wichtiger Baustein ist hier ein ökologisches und soziales Waldklimaprojekt, an dem der Zoo zusammen mit der KEK in Ecuador beteiligt ist. Das Wiederaufforstungsprojekt im Reservat Mindo (Region Los Bancos) passe in zweierlei Hinsicht sehr gut zum Zoo Karlsruhe, so Reinschmidt: Zum einem werde im Holzaufbau das Treibhausgas CO2 gebunden und komme so der CO2-Bilanz des Zoos zugute, gutachterlich zertifiziert über die KEK. „Zum anderen ist es ein tolles Projekt zur Wiederherstellung der Biodiversität – und so ein ideales Artenschutzprojekt für unseren Zoo mit dem Exotenhaus als Pendant.

Solarthermieanlage fürs Badewasser der Flusspferde

Die Devise „tausche Oldie gegen Einspar-Fuchs“ findet sich auch im zweiten Maßnahmenpaket wieder. Aktuell wurden über Ostern 35.000 Euro in eine energieeffiziente und geregelte Kühltechnik für die Futtermittellagerung investiert. „Rund 40 bis 50 Prozent Energieeinsparung im Vergleich zur 20 Jahre alten Anlage sind hier möglich“, betont Wilkens. Noch einmal genau hinschauen wollen KEK und Zoo bei der geplanten Solartherieanlage zur Erwärmung des Grundwassers auf 18 bis 20 Grad für die Wasserbecken des Dickhäuterhauses. Reichen die 60 Quadratmeter mit 10.000 Liter Wärmespeicher zur Erwärmung des Badewassers Flamingos und für die Flusspferde aus, wenn nun im Zuge der im Entwicklungskonzept Zoologischer Stadtgarten bis 2017 geplanten Erweiterung der Außenanlage für Elefanten an eine Erwärmung des Außenbeckens gedacht wird, damit die Tiere es länger nutzen können? Oder ist zusätzlich eine Wärmepumpe sinnvoll? Momentan wird mit Fernwärme erwärmt. Dank ins Stadtwerke-Netz eingespeister MiRo-Abwärme fällt die Energiebilanz nicht schlecht aus, meint Wilkens. „Dennoch: Wo immer fossile Energieträger ersetzt werden können, sollte man dies tun – die Sonne scheint schließlich umsonst.“

Eisen und Mangan an Ort und Stelle aus Grudnwasser ausfällen

Ein weiteres Projekt: Die Förderung von Grundwasser über die in der Anlage vorhandenen Brunnen. Problem ist, dass das Grundwasser hohe Anteile an Eisen und Mangan aufweist – was die Wasserpumpen durch Ablagerungen im Laufe der Zeit „schachmatt“ setzt. Darum möchten Zoo und KEK die Brunnenanlagen so ertüchtigen, dass die Stoffe gleich an Ort mit Sauerstoff herausgefällt werden, ehe sie in den Zoo-Wasserkreislauf kommen.

Noch in diesem Jahr möchte der Zoo weitgehend alle Maßnahmen aus dem zweiten Projekt-Paket umgesetzt oder begonnen haben. „Wir wollen auch ein stückweit Vorbild als städtische Dienststelle sein“, betont Schönfeld. Dazu gehörte die Einbeziehung der Beschäftigten. 2015 fand daher eine erste Schulung statt, um Mitarbeiter für das Projekt zu sensibilisieren – und sie zur Mitwirkung aufzufordern. Und so finden sich im aktuell für den Karlsruher Klimaschutzfond eingereichten „Maßnahmenpaket 3“ denn auch Vorschläge der Beschäftigten. Etwa die Anregung, im Sanitärtrakt mit Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zu arbeiten.

Aspekte des klimaneutralen Zoos Besuchern vermitteln

Die Facetten eines klimaneutralen Zoologischen Stadtgartens möchte Zoodirektor Reinschmidt für die Besucherinnen und Besucher sichtbar machen. Darum sollen den Photovoltaik-Schautafeln weitere Elemente folgen – am besten ein ganzer Technikpfad findet Reinschmidt. Mit diesem „regenerativen Energiepfad könnten wir für alle Gäste verschiedene Aspekte des klimaneutralen Zoos sichtbar machen.“

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