Zwergflusspferde im Zoo Rostock erkunden neues Außenrevier

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Zwergflusspferd Zoo Rostock - Außenrevier Erkundung
Bildquelle: Zoo Rostock, Joachim Kloock

Ganz, ganz vorsichtig – die Zwergflusspferde Nimba und Onong erkunden ihr neues Außenrevier im Zoo Rostock. Unterstützung von Sponsoren und viele Helfer ermöglichten Umbau.

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Seit Ende September vergangenes Jahres gehören erstmals zwei Zwergflusspferde zu den rund 4.500 tierischen Bewohnern im Rostocker Zoo. Schnell haben sich Nimba und Onong zu Besucherlieblingen entwickelt. Ab sofort können die beiden auch ihre neue 770 Quadratmeter große Außenanlage erkunden. Zoodirektor Udo Nagel dankte allen Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern, die beim Umbau des ehemaligen Elefantenreviers tatkräftig geholfen und so erst den seltenen Neuzugang ermöglicht haben.

„Da Zwergflusspferde nachtaktive und sehr scheue Tiere sind, wird die Eingewöhnungsphase sicher etwas länger andauern“, sagte Kuratorin Antje Zimmermann. „Wir geben den Tieren die nötige Zeit, sich an ihr neues Freigehege zu gewöhnen.“ Onong und Nimba haben sich in ihrem ersten halben Jahr sehr gut und ohne Probleme eingelebt. Die Tierpfleger haben es mit viel Geduld und Zuwendung in kurzer Zeit geschafft, das Vertrauen der Tiere zu gewinnen. Während die fast dreijährige Nimba sich von nichts aus der Ruhe bringen lässt, ist der zweijährige Onong etwas schreckhafter, so zum Beispiel bei lauten Geräuschen. Am Anfang hat er daher viel Zeit im Wassergraben verbracht. Eine typische Reaktion der Tiere, wenn sie unsicher sind. „Onong schwimmt ab und zu gerne auf dem Rücken. Dazu stößt er sich an der Wand oder am Gitter ab und lässt sich auf dem Rücken durch das Wasser gleiten“, so Antje Zimmermann.

Zwergflusspferde im Wasser im Zoo Rostock

Foto: Zoo Rostock, Joachim Kloock

Schattige Plätzchen für zwei sensible Dschungelbewohner

Da Zwergflusspferde Einzelgänger sind und in der Natur nur zur Paarung zusammenkommen, werden die Mini-Hippos auf der Anlage mit vorwiegend gewachsenem Naturboden auch weiterhin getrennt leben. Wenn Onong dann in etwa zwei Jahren paarungsbereit ist, hoffen die Tierpfleger auf Nachwuchs. Bis dahin vergeht also noch etwas Zeit, die die Zwergflusspferde zumindest im Sommer nun auch im Freien verbringen können. Jedes Tier kann entweder ein Wasserbecken im Haus (44 m3) oder im Outdoorbereich (70 m3) nutzen.

Mit Unterstützung vieler Sponsoren und ehrenamtlicher Helfer wurde das Außerareal gestaltet. „Wir haben viele Bäume neu gepflanzt, unter anderem eine Winterlinde und große Steinbrocken eingebracht“, sagte die Zoo-Landschaftsarchitektin Kristin Jacobi. „Der Besucher hat von mehreren Standorten aus die Möglichkeit, die Tiere zu beobachten. So gibt es Besucherplattformen am großen Badebecken und in der Nähe des Eingangs zum Haus. Die Zugänge sind behindertengerecht.“ Für die naturnahe künstlerische Gestaltung sowohl der Innen- als auch Außenanlage war die Zoo-Grafikerin Andrea Bergmann in Zusammenarbeit mit der Rostocker Künstlerin Ina Wilken verantwortlich.

Die Planungsarbeiten für die Filteranlage wurden durch EURAWASSER Nord GmbH unterstützt. Insbesondere Ralf Troppens, Leiter Verfahrenstechnik Trinkwasser, stand dem Zoo dabei hilfreich zur Seite. Die Wasserqualität wird seitens der Universität Rostock mikrobiologisch unter die Lupe genommen und überprüft. Hier gilt der Dank des Rostocker Zoos der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät und dem Team von Prof. Elmar Mohr vom Bereich Tiergesundheit und Tierschutz. Die Verfärbung des Wassers ist durch Huminstoffe, also dem Abbau organischer Substanzen, bedingt, die im natürlichen Umfeld der Tiere ebenfalls im Wasser vorhanden sind. Um den Lebensraum der Tiere so natürlich wie möglich zu gestalten, werden diese nicht entfernt.

Zwergflusspferde im Wasser im Zoo Rostock

Foto: Zoo Rostock, Joachim Kloock

Ebenfalls beim Umbau tatkräftig mitgeholfen haben die Rostocker Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau GmbH und Metallbaumeister Wolfgang Fust, die Actemium H&F Kavelstorf, der Rostocker Zooverein und viele Zoomitarbeiter in ehrenamtlichen Arbeitsstunden. Die Investitionen für das Außenrevier belaufen sich auf ca. 30.000 Euro.

Sonnenschutz und bloß keinen Rosenkohl

Zwergflusspferde sind dämmerungs- bzw. nachtaktive Tiere. Dies ist auch der Grund, warum Onong und Nimba tagsüber meistens im Gehege unter ihren UV-Lampen liegen und dösen. Dennoch ist Sonnenlicht für das Wachstum der Zwergflusspferde sehr wichtig, besonders für Onong, der noch nicht ausgewachsen ist. „Allerdings muss die empfindliche Haut der Tiere vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt werden. Darum wurde auf der Außenanlage auch für schützende Unterstände, Schlammsuhlen und einen Wasserzugang gesorgt“, betonte Zookuratorin Antje Zimmermann. „Zwergflusspferde halten durch Schlammbäder oder den Aufenthalt im Wasser ihre Haut geschmeidig und ihre Körpertemperatur niedrig.“ Luft und Wasser sind im Zwergflusspferdhaus auf 20 bis 25 Grad eingestellt; das ist die Wohlfühltemperatur der Tiere. Die Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen sollten nicht zu groß sein, denn die Zwergflusspferde könnten sich schnell erkälten.

Besonders gerne fressen die beiden übrigens Gemüse, Heu und Pellets. Die Pellets sind eigentlich für Nashörner gedacht, schmecken den Zwergflusspferden aber auch sehr gut. Der absolute Leckerbissen und Lockmittel der Tierpfleger sind rohe Möhren. Die lieben Onong und Nimba gleichermaßen. Was beide absolut nicht mögen, ist Rosenkohl. Onong ist beim Futter noch wählerischer als Nimba. Er rührt auch Sellerie, Kohlrabi und Radieschen zuweilen nicht an. Ab und zu bekommen Onong und Nimba auch einmal süßes Obst, was sehr gern verputzt wird.

Das Zwergflusspferd ist eine stark gefährdete Tierart. Aus diesem Grund stehen Zwergflusspferde auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Schätzungen zu Folge leben in der freien Wildbahn nur noch 2.000 bis 3.000 Zwergflusspferde. Für Zwergflusspferde wird ein Internationales Zuchtbuch (IZB) am Zoo in Basel (Schweiz) geführt. In europäischen Zoos leben ca. 125 Zwergflusspferde. Die Heimat der stark bedrohten Tiere liegt hauptsächlich im westlichen Afrika, in Liberia, Elfenbeinküste, Sierra Leone und Guinea. Ihr Lebensraum ist in den Sümpfen und an den Flussläufen des Regenwaldes zu finden.

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