Handaufzucht im Zoo Osnabrück: Junger Pinguin entwickelt sich bestens

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Zoo Osnabrück junger Pinguin Handaufzucht
Bildquelle: Zoo Osnabrück, Lisa Josef

Ein fünf Wochen alter Humboldt-Pinguin wird im Zoo Osnabrück mit Handaufzucht großgezogen. Das Tier hat von 67 auf 1.600 Gramm zugenommen und wird bald seine Artgenossen wiedersehen.

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Riesige Füße, flauschiges Federkleid und schwarze Knopfaugen: So schaut der Pinguinnachwuchs im Zoo Osnabrück aus seiner liebevoll eingerichteten Box mit Teddybären und weichen Handtüchern heraus. Seit fünf Wochen versorgen die Tierpfleger den besonderen Nachwuchs. Weil das Pinguinweibchen Ida nicht mehr fraß, muss ein junger Humboldt-Pinguin mit Handaufzucht großgezogen werden.

„Eigentlich sind Handaufzuchten in Zoos sehr selten geworden, da in fast allen Fällen die Eltern ihre Jungtiere großziehen. Doch unser Pinguinweibchen Ida fraß nicht mehr, als sie das Ei ausbrütete. Und da Humboldt-Pinguine eine gefährdete Tierart sind, haben wir uns dazu entschlossen, das Ei in eine Brutmaschine zu legen“, berichtete Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Kurator und Biologe im Zoo Osnabrück.

Und so verbrachte das Pinguin-Ei den Rest der 42tägigen Brutzeit im Brutkasten bei etwa 37 Grad und ansteigender Luftfeuchtigkeit. „Das ist wichtig, damit die Eihaut nicht zu trocken wird und das Küken dann seinen Weg aus der Schale hinauspicken kann“, erläutert der Biologe. Am 26. Februar 2019 war es soweit: Nachdem der Nachwuchs einen Tag lang die Schale bearbeitete, hatte er es schließlich aus seinem Ei geschafft.

In fünf Wochen von 67 Gramm auf 1.600 Gramm

Nun fing die besondere Arbeit für die Tierpfleger an: „Das Jungtier hat von Anfang an Fisch von uns bekommen, das hätten seine Eltern ihm schließlich auch gebracht. Anfangs stand aber erstmal Fischbrei auf dem Speiseplan. Den haben wir ihm mit unseren Fingern in den Schnabel gegeben. Drei Mal am Tag haben wir ihn gefüttert“, berichtete Kirsten Bischoff, Tierpflegerin und Revierleiterin im Vogelrevier. „Das hat prima geklappt. Wir haben uns im Team dabei streng an die Vorgaben aus der Literatur dazu gehalten. Der Kleine fraß und fraß und wuchs und wuchs – das hat uns allen viel Freude und Spaß gemacht.“

Zoo Osnabrück junger Pinguin Waage

Binnen weniger Wochen entwickelte sich der junge Pinguin prächtig. (Foto: Zoo Osnabrück, Lisa Josef)

Aktuell bringt der Wonneproppen 1.600 Gramm auf die Waage, bei einem Geburtsgewicht von 67 Gramm eine reife Leistung. „Inzwischen kriegt er von uns schon Herings- und Sprottenfilet, aber auch schon ganze Sprotten. Sein Körper muss sich langsam daran gewöhnen, dass er auch die Gräten der Fische verarbeitet – deswegen arbeiten wir uns von Fischfilet zu ganzen Fischen vor“, erläutert Bischoff.

Damit der Zögling auch gut frisst, imitieren die Tierpfleger das Verhalten der Elterntiere. Diese stülpen ihren geöffneten Schnabel halb über den des Jungvogels. Dann beginnen die Jungtiere automatisch ihren Schnabel aufzusperren und zu betteln. „Deswegen halten wir unserem Zögling unsere freie Hand über den Kopf bzw. Schnabel und wackeln damit ganz leicht. Das funktioniert sehr gut. Der Kleine öffnet seinen Schnabel und wir können den Fisch geben“, freut sich Bischoff.

Zoo Osnabrück junger Pinguin Fütterung

Beim Füttern ahmen die Tierpfleger das Verhalten der Elterntiere nach. (Foto: Zoo Osnabrück, Lisa Josef)

Für die Auszubildende als Tierpflegerin Nina Brockmann ist die Jungenaufzucht eine ganz besondere Premiere: „Als ich ihn das erste Mal füttern durfte und er den Fisch auch genommen hat, das war ein toller Moment. Ich durfte mir nun auch einen Namen überlegen: Jimmy, wenn es ein Männchen ist, und Juna, wenn es ein Weibchen ist.“ Das wissen die Tierpfleger nämlich noch nicht, weil man das Geschlecht bei vielen Vögeln nur über eine Feder-DNA-Probe bestimmen kann.

Pinguinschule mit Pinguin Sommersprosse

Für den Nachwuchs steht nun bald der erste große Umzug an: Er zieht von der Tierpflegerküche in das Haus der Pinguine – zunächst in einen eigenen Bereich und noch nicht einsehbar für die Besucher. „Nebenan wohnt die ältere Pinguindame Sommersprosse. Hier kann der Kleine sich erstmal durch eine Plexiglasscheibe das Verhalten abschauen und Kontakt aufnehmen. Je nachdem wie das erste Kennenlernen läuft, nehmen wir dann die Scheibe weg, sodass sie direkten Kontakt haben können und Sommersprosse ihm hoffentlich wie eine Erzieherin alles beibringt“, erläutert Andreas Wulftange. Schließlich soll es später auf die Pinguinanlage zu den insgesamt 17 Pinguinen gehen.

Dass der Nachwuchs im Moment noch keine Möglichkeit zu schwimmen hat, ist nicht schlimm – im Gegenteil, wie Wulftange erläutert: „Die Jungtiere haben zunächst ein Dunenfedernkleid. Das ist nicht wasserabweisend und würde das Jungtier sogar im Wasser nach unten ziehen. Erst nach zehn bis zwölf Wochen erhält der Nachwuchs sein Jugendfederkleid, mit dem er dann auch schwimmen kann – allerdings noch ohne die charakteristische Färbung.“ Mit etwa einem Jahr erhält der Jungpinguin dann sein charakteristisches Erwachsenenfederkleid mit dem individuellen Punktemuster auf der Brust sowie dem schwarzen Brustband und der schwarzen Gesichtsmaske.

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