Neuer „Reichspark“ in Brandenburg? Böhmermann inszeniert Bau eines makaberen NS-Freizeitparks

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Reichspark Übersicht
Bildquelle: HG Businessconsult/Neo Magazin Royale

Jan Böhmermann ist spätestens seit dem „Verafake“ mit seinen satirischen Beiträgen in aller Munde. Nun hat er ein neues Projekt rund um einen NS-Themenpark entworfen. Dabei spielt Böhmermann ein ausgeklügeltes Spiel zwischen Absurdität und Ernsthaftigkeit – und präsentiert in seiner Satire-Reportage den detaillierten Plan des Unternehmers Gamper, wie die nationalsozialistische Geschichte Deutschlands als Freizeitpark wieder zum Leben erweckt werden könne.

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Jan Böhmermann hat in der gestrigen Ausgabe seiner Late-Night-Show „Neo Magazin Royale“ den Bau eines NS-Themenpark in Brandenburg inszeniert. Hierfür stellte das fiktive Unternehmen HG Businessconsult mit Geschäftsführer Raphael Gamper das Konzept des „Reichspark“, der im Sommer 2023 seine Pforte öffnen soll, vor: Dieser solle unter dem Motto „Geschichte erleben“ die deutsche Historie zwischen 1933 und 1945 aufgreifen.

Im Verlauf der Sendung wurden immer mehr Details zum inszenierten „Reichspark“ bekannt. So stellte Gamper für den insgesamt 52 Hektar großen NS-Themenpark 62 Fahrgeschäfte, Walk-In Attraktionen sowie originalgetreue Architekturmodelle in Aussicht. Der 250 Millionen teure Park sei des Weiteren in vier Themenbereiche untergliedert: Alt Berlin, Historyland, Warland und Rememberland.

Auch im Hinblick auf potentielle Attraktionen ließ das „Neo Magazin Royale“ seiner Fantasie freien Lauf: Der von Gamper konzipierte Bildungspark soll etwa Europas größte Kältehalle umfassen, in der die Schlacht um Stalingrad in einer Virtual-Reality-Themenfahrt bei authentischen minus 20 Grad dargestellt wird. Außerdem ist von einer Geisterbahn die Rede, in der Fahrgäste die Bombardierungen des Krieges mittels Komparsen, die Sand und Steine werfen, live erleben könnten. Nach Einbruch der Dunkelheit soll außerdem die Reichskristallnacht von 1938 nachgespielt werden. Und das alles „historisch korrekt, verantwortungsvoll und familienfreundlich inszeniert“. Wer über Nacht bleiben möchte, dem stehen Zimmer im Themengefängnis „Prinz Albrecht“ zur Verfügung.

Der Höhepunkt der Satire ist schließlich erreicht, als Gamper auf der diesjährigen Euro Attactions Show in Berlin nach weiteren Attraktionen für den „Reichspark“ sucht. Verschiedene Hersteller zeigen sich offen, ihre Produkte an das Vorhaben Gampers anzupassen. So will etwa ein Produzent ein künstliches Feuer entwerfen, in dem die Kinder – wie es einst die Nationalsozialisten getan haben – Bücher verbrennen können.

Reichspark Königsberg Modell

Auch die frühere ostpreußischen Haupstadt Königsberg will Gamper nachbauen. (Foto: HG Businessconsult/ Neo Magazin Royale)

Böhmermann nimmt mit der „Reichspark“-Inszenierung Bezug auf den politischen Rechtsdrift in Deutschland. Die satirische Reportage über den Vergnügungspark rund um den nationalsozialistischen Völkermord wird schließlich durch Aussagen von AfD-Politikern untermalt, die zwölfjährige NS-Herrschaft sei nicht mehr Teil der deutschen Identität.

Die komplette Folge „Unternehmen Reichstag“ des „Neo Magazin Royale“ kann bis 16. Februar 2018 in der ZDF-Mediathek angesehen werden.

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