Zoo Osnabrück stellt Zukunfsstrategie und Entwicklung bei Sponsorentreffen vor: Mehr Unterstützung von Stadt benötigt

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Förderkreistreffen 2018 Zoo Osnabrück
Bildquelle: Lisa Josef, Zoo Osnabrück

Der Zoo Osnabrück wünscht sich mehr finanzielle Hilfe durch die Stadt. Ohne diese sei es schwer, den Zoo auf dem jetzigen Niveau zu halten.

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Beim gestrigen Förderkreistreffen der Zoosponsoren im Osnabrücker Rathaus baten Zooverantwortliche und Unterstützer um mehr finanzielle Hilfe durch die Stadt Osnabrück. Nach vielen sinnvollen Maßnahmen, um den Zoo in die Wirtschaftlichkeit zu bringen, brauche der Zoo mit Blick auf noch anstehende Umbauten wie den Elefantenpark Hilfe in Höhe von 500.000 Euro jährlich in den kommenden Jahren.

„Der Zoo Osnabrück hat alles getan, was geht, um schwarze Zahlen zu schreiben. Doch trotz einer kreativen und ausgefeilten Unternehmensstrategie mit hohen Besucherzahlen, hohem Sponsoring- und Fundraisingerlösen sowie geringen Personal- und Energiekosten verhindern die Abschreibungen in Höhe von 2 Millionen Euro jährlich eine positive Bilanz. Der Zoo Osnabrück kann stolz sein auf seine im Bundesvergleich außergewöhnlich hohe Eigenfinanzierungsquote, aber ein Zoo kann sich einfach nicht komplett von selbst finanzieren“, resümiert Joachim Dallwig vom Zoo.

Mit Blick auf die anstehenden Projekte bat Zoogeschäftsführer Andreas Busemann die Stadt Osnabrück um Unterstützung für den Zoo ab dem Jahr 2020: „Wir müssen die Elefantenanlage vergrößern, da sich die Haltungsvorgaben verändern. Das wird etwa sechs Millionen Euro kosten, das können wir nicht alleine stemmen – trotz einer Million Besucher, knapp 200 Sponsoren und zahlreicher Events, die wir für zusätzliche Einnahmen realisiert haben.“

Zoos seien einfach nicht aus sich heraus rentabel. Das zeige die Tatsache, dass nicht jede Stadt sich einen Zoo leistet, sowie die kommunale Bezuschussung von Zoos wie in Münster mit demnächst 4,8 Millionen Euro jährlich plus 20 Millionen Euro Investitionszuschüssen oder in Hannover mit circa 3 Millionen Euro jährlich und 35 Millionen Euro für Investitionen.

„Damit wir den Zoo langfristig erhalten und zukunftssicher machen können, ist es notwendig, die letzten Schwachstellen zu modernisieren. Mit einem jährlichen Zuschuss von 500.000 Euro wäre dies zu stemmen. Investieren wir nicht, werden uns die anderen Zoos überholen. Dann das Ruder wieder rumzureißen wird noch teurer und sehr viel schwerer“, so Busemann. Mit dem Zuschuss wolle man auch keinen Paradigmenwechsel einläuten.

„Wir werden weiterhin Vollgas geben im Zoo und mithilfe von Neuerungen im Tier- oder im Eventbereich, aber auch mit Hilfe von neuen Sponsoren Geld für den Zoo reinholen. Wir brauchen aber Unterstützung, damit wir das große Bauprojekt umsetzen und die letzten Schwachstellen beseitigen können sowie um mittelfristig die viel zu geringe Eigenkapitaldecke zu stärken“, so der Geschäftsführer.

Zoopräsident und Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Sliwka bestätigte die positive Entwicklung des Zoos und stellte der Stadt für die zusätzliche Unterstützung Entgegenkommen von Seiten des Zoovereins in Aussicht: „Der Zoo ist in den letzten Jahren zum Leuchtturm der Region geworden. Dank der neuen Tierwelten und cleverer Marketingstrategien kommen inzwischen über eine Million Besucher im Jahr in den Zoo und davon kommen 50 Prozent von außerhalb der Region. Wenn die Stadt uns nun unter die Arme greift und wir den Zoo weiter verbessern können, können wir natürlich im Gegenzug der Stadt eine größere Beteiligung an der GmbH anbieten.“ Die Beteiligung könne auf 25 Prozent erweitert werden.

Regionalwirtschaftliche Effekte des Zoos weiter gestiegen

Den positiven Effekt des Zoos auf die Stadt und Region belegte auch Christian Rast von der ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH (ift), die in diesem Jahr ein neues Gutachten zu den „Regionalwirtschaftlichen Effekten des Osnabrücker Zoos“ anfertigte: „Die regionalwirtschaftliche Bedeutung des Osnabrücker Zoos ist weiter gestiegen. Das liegt zum einen an den gestiegenen Besucherzahlen von 900.000 im Jahr 2009 auf 1.020.000 bei gleichzeitig höheren Ausgaben im und außerhalb des Zoos sowie zum anderen an regelmäßigen Investitionen und den durch die Erweiterung des Zoos gestiegenen betrieblichen Aufwand.“

Damit schaffe der Zoo auch mehr Einkommen und Arbeitsplätze in der Region sowie im Zoo: So kommen auf die inzwischen rund 110 Vollzeitstellen im Zoo etwa zweimal so viele Arbeitsplätze in der Region. Das sind insgesamt zwischen 310 und 320 Arbeitsplätze. Im Jahr 2009 waren es noch insgesamt 270 bis 280 Arbeitsplätze im Zoo und in der Region. Gleichzeitig seien die Wertschöpfungseffekte, also neu in Stadt und Region entstandenes Einkommen, durch Betrieb, Investment und Ausgaben der Besucher außerhalb des Zoos seit 2009 um 2 Million Euro auf insgesamt 15,2 Millionen Euro gestiegen.

„Darin enthalten sind 2,5 Millionen Euro bedingt durch laufende Investitionen, 10,1 Millionen Euro durch den Zoobetrieb und knapp 2,7 Millionen Euro durch Tourismusausgaben. Bei letzterem zählen wir nur die Gäste, die von außerhalb der Region Osnabrück kommen, und ihre Ausgaben außerhalb des Zoos“, betont Rast.

Zoo Osnabrück unter den Top Ten in Deutschland

Als externer Zooexperte war auch Anthony Sheridan vor Ort. Dieser untersucht seit 2009 die europäischen Zoos und stellte seitdem fünf Rankings auf, das aktuellste stammt aus diesem Jahr. Neu ist hier, dass der Zoo Osnabrück von Gruppe B mit Zoos, die zwischen 500.000 und eine Million Besucher jährlich haben, in Gruppe A mit Zoos über eine Million Besucher jährlich gewechselt ist, da er in den letzten drei Jahren konstant über eine Million Besucher hatte. „Das ist eine großartige Leistung für einen Zoo mit einem vergleichsweise eingeschränkten Einzugsgebiet und er hat dafür im Ranking auch extra Punkte erhalten. Hier zeigt sich nun allerdings die geringe Bezuschussung noch deutlicher, da der Zoo sich mit großen Zoos mit viel kommunaler Unterstützung vergleichen lassen muss. In der bisherigen Gruppe war Osnabrück europaweit unter den Top 3-Zoos“, berichtet Sheridan.

Jetzt belegt der Zoo Osnabrück Platz 10 unter allen 33 deutschen Zoos und in der Wertung der europaweiten Gruppe A Platz 22 von 30. Insgesamt habe der Zoo in den letzten drei Jahren 12 extra Punkte erhalten, was über dem Durchschnitt aller Zoos liege. Diese habe Sheridan für die Tierauswahl, neue Tierhäuser und Gehege, für Marketing und Finanzierungsstrategie, Investitionen und für Besucherzahlen vergeben. Der europäische Zooexperte betonte abschließend: „Es ist wirklich bemerkenswert, dass sich der Zoo Osnabrück trotz so niedriger Zuschüsse sowohl für den laufenden Betrieb als auch für Investitionen so großartig entwickelt hat. Ohne das Sponsoring-Engagement und die Finanzierungsstrategie des Geschäftsführers wäre der Zoo heute nicht unter den Top 10 der deutschen Zoos.“

Neuer Sponsorenbeirat

Dass der Zoo Osnabrück innovative Wege geht, zeigt auch der neue Sponsorenbeirat. Kai Schaupmann, Geschäftsführer der Johann Wolfgang Fischer GmbH und langjähriger Zooförderer, erläutert das Modell: „Auf eine Idee des Sponsors Michael Wendt plant der Zoo Osnabrück jetzt einen Sponsorenbeirat. Hier sind einige der aktuellen Sponsoren versammelt und beraten oder unterstützen den Zoo auf unterschiedliche Weise. Da ich den Zoo schon lange begleite und ihn als eine sehr wichtige Familieneinrichtung sehe, habe ich sofort ‚ja‘ gesagt, als Herr Busemann mich fragte, ob ich mit dabei bin.“

Frank Haacks, Geschäftsführer der Ibbenbürener Firma NFT Automatisierungssysteme GmbH und ebenfalls überzeugter Zoounterstützer, tritt dem Spendenbeirat ebenfalls bei: „Wir werden den Zoo dabei unterstützen, die bestehenden Angebote für Sponsoren weiter zu ergänzen, damit Firmen die Möglichkeiten optimal nutzen können. Außerdem möchten wir helfen, neue Sponsoren zu finden – schließlich hat jeder Sponsor beziehungsweise Unternehmer ein großes Netzwerk. Und natürlich helfen wir dem Zoo auch, indem wir das Zoogeschehen mit dem Blick aus der Wirtschaft betrachten und einschätzen.“

Stadt würdigt Engagement

Das besondere Engagement der Wirtschaft und des Zoos würdigte auch Bürgermeisterin Birgit Strangmann, die die Anwesenden begrüßte: „Es ist wirklich toll zu sehen, dass unser Zoo, wie ihn ja die meisten Zoofans betiteln, so viel Unterstützung in der Region erhält. Der Zoo ist in der Tat eine besonders wichtige Einrichtung für unser Region: Familien können hier ganz entspannt ihre Freizeit verbringen und etwas über die Tierwelt lernen. Zusätzlich schafft der Zoo Arbeitsplätze und holt Menschen in unsere Region.“

Uwe Görtemöller, Beiratsmitglied des Zoo Osnabrück, lobte das besondere Engagement der Zoo-Mannschaft: „Ich bin nun seit 2012 Mitglied des Beirats und sehe, was der Zoo und das gesamte Team dort auf die Beine stellen. Von der Versorgung und Pflege der Tiere bis hin zu den besonderen Events – an diesem Erfolg arbeiten viele Menschen mit viel Herz und Energie und die gesamte Region profitiert davon.“

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