Erfolg für Wildpark-Falkner in Lüneburger Heide: Schwer verletzter Uhu fliegt wieder

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Uhu Heilung im Wildpark Lüneburger Heide

Auffangstation im Wildpark Lüneburger Heide kümmert sich um verletzte Wildvögel

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Auf frei lebende Wildvögel lauern in ihren Revieren auf der täglichen Jagd nach Futter viele Gefahren. Zusammenstöße mit Fahrzeugen – vor allem auf Autobahnen – sowie der Kontakt mit Wild- und Stacheldrahtzäunen werden dabei oftmals zur tödlichen Falle oder führen zu schweren Verletzungen. Die Zahl der Tiere, die durch diese von Menschen gemachten Umwelteinflüsse verenden müssen, ist nicht zu ermitteln. Manche der verletzten Vögel aber haben Glück, wenn aufmerksame Wanderer die Tiere entdecken und in die Auffangstation für verletzte Greifvögel und Eulen in den Wildpark Lüneburger Heide in Hanstedt-Nindorf bringen. Die ersten Ansprechpartner dort sind die drei Falkner Lothar Askani, Elke Siebert und Michael Kirchner. Sobald ein verletzter Vogel im Wildpark ankommt, begutachtet einer der Experten das Tier und stellt die Schwere der Verletzungen fest.

Uhu mit Verletzung in der Lüneburger Heide

Vorher und nachher: Links die offene Wunde und rechts
nach zweimona@ger Pflege durch die Wildpark-Falkner. Nur
noch eine kleine Stelle erinnert an die schwere Verletzung
des Uhus. (Foto: Wildpark Lüneburger Heide, Thomas Ix)

So geschehen auch bei einem europäischen Uhu, der Ende November vergangenen Jahres von der Polizei in den Wildpark gebracht wurde. „Das Tier hatte sich in einem Stacheldrahtzaun verfangen und muss schon sehr lange darum gekämpft haben, wieder frei zu kommen“, erinnert sich Elke Siebert. „Die Polizeibeamten mussten den Uhu aus dem Zaun schneiden. Als er bei uns ankam, war noch das Stück Stacheldraht, in dem er hängen geblieben war, um Kopf und beide Schwingen gewickelt.“ Das Tier war sehr schwer verletzt. Ein tiefer Riss in der Mittelarmschwinge hatte Muskeln und Sehnen offen gelegt. „Bei uns bekommt natürlich jeder Vogel eine Chance, aber wir waren sehr skeptisch, ob der Uhu jemals wieder ganz gesund werden würde“, erinnert sich Falkner Michael Kirchner. „Gerade die Flügel sind so ziemlich die wichtigsten, aber zugleich fragilsten Körperteile eines Vogels! Wenn es dort zu dauerhaften Schädigungen kommt, ist der Vogel nicht mehr in der Lage, sich selbst zu ernähren.“ Jetzt, nach mehr als zwei Monaten intensiver Pflege, konnte das Tier nahe Hanstedt wieder ausgewildert werden. „Das ist immer ein ganz besonderer Moment für mich“, erzählt Elke Siebert. „Jeder Vogel, der zum ersten Mal in Freiheit wieder seine Schwingen ausbreitet und aus eigener Kraft davonfliegt, macht mich glücklich.“ In diesem Jahr durfte die Falknerin diesen Glücksmoment schon drei Mal erleben. Neben dem Uhu konnten die Wildpark-Falkner schon einen Waldkauz und eine Schleiereule wieder in die Freiheit entlassen.

Uhu Behandlung im Wildpark Lüneburger Heide

Bevor der Uhu in die Freiheit entlassen wird, behandeln
Michael Kirchner und Elke Siebert die Verletzung ein letztes
Mal mit herkömmlicher Wundsalbe. (Foto: Wildpark Lüneburger Heide, Thomas Ix)

Bei der Pflege der verletzten Tiere in der Auffangstation müssen die Wildpark-Falkner sehr behutsam sein. Im Gegensatz zu den Vögeln, die ständig im Wildpark leben und ihre spektakulären Flugkünste in der Greifvogel-Flugschau zeigen, dürfen die verletzten Tiere so wenig wie möglich Kontakt zum Menschen haben. „Die Vögel werden bei uns gefüttert, sauber gemacht und die Verletzungen werden versorgt. Nicht mehr und nicht weniger“, berichtet Michael Kirchner. „Nur so können wir sicher stellen, dass die Tiere wieder sehr schnell verwildern und hohe Überlebenschancen haben. Idealerweise werden die Tiere wieder dort frei gelassen, wo sie gefunden wurden. Denn hier hat der Vogel sein angestammtes Revier und findet sich schnell wieder zurecht“, so Kirchner. Wenn das nicht möglich ist, sind die Falkner darum bemüht, ein optimal geeignetes Biotop für die Auswilderung ihrer Schützlinge zu finden. Im Fall des Uhus war das

Freilassung des Uhu im WIldpark Lüneburger Heide

Bevor der Uhu in die Freiheit entlassen wird, behandeln
Michael Kirchner und Elke Siebert die Verletzung ein letztes
Mal mit herkömmlicher Wundsalbe. (Foto: Wildpark Lüneburger Heide, Thomas Ix)

nicht sehr schwierig. „Diese Beutegreifer haben ein großes Beutespektrum“, erklärt Kirchner. Mäuse, Füchse und sogar Rehkitze können Uhus zur Strecke bringen. Die lautlosen Jäger sitzen dabei versteckt in Bäumen, warten geduldig, bis ein Beutetier in der Nähe ist, gleiten dann lautlos an und bringen ihre Beute mit einem überraschenden Angriff zur Strecke. „Diese Verhaltensweise macht es auch nahezu unmöglich, die dämmerungsaktiven Tiere in freier Natur zu beobachten.“

Die Auffangstation für verletzte Eulen und Greifvögel im Wildpark Lüneburger Heide besteht bereits seit 1999. In jedem Jahr werden dort etwa zwischen 50 und 70 Tiere abgegeben – darunter viele Jungvögel, die besonders im Frühjahr bei Sturm aus dem Nest geweht werden und von Wanderern hilflos auf dem Waldboden gefunden werden. „Dann wird es manchmal eng in unseren Volieren“, erzählt Kirchner. „Nach einem heftigen Frühlingssturm kann es schon mal vorkommen, dass sich eine komplette Kinderstube von Waldohreulen dicht gedrängt in der Voliere zusammenkauert.“ Vermutlich hätten die Tiere auch selber in der Natur überlebt, aber, so Kirchner: „Im Zweifel soll man einen hilflosen Wildvogel lieber zu uns bringen, als ihn qualvoll eingehen zu lassen.“ Als Faustregel gilt: Wenn sich ein erwachsener Vogel von einem Laien fangen lässt, muss er krank sein.

Titelfoto: Thomas Ix, Wildpark Lüneburger Heide

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